Unser Ort – Sülzhayn

Kaum passender als Hermann Trenkner könnte man den Blick beschreiben, der sich offenbart, wenn man die Ortseinfahrt Sülzhayns von Ellrich kommend passiert.

Nur wenige Kurorte in Deutschland haben eine so lange Tradition, wie das auf den ersten Blick unscheinbare Südharz-Dorf, das sich halb versteckt an einen Talgrund anlehnt.

Blick auf Sülzhayn von Ellrich kommend

Mit ca. 1200 Einwohnern heute ein kleines Dorf, kann Sülzhayn als ehemaliger Kurort doch auf eine einzigartige Geschichte zurückblicken.

Lassen Sie sich mitnehmen auf einen Streifzug in die Vergangenheit…

Geschichte

Man nimmt an, dass zwischen 900 und 1000 n. Chr. wendische Bauern die ersten Siedler waren, deren Siedlungen jedoch von den Franken niedergebrannt wurden. Die Wenden errichteten jedoch ein neues Dorf. Im 13 Jhd. wurde eine erste gemeinsame Kirche errichtet, der Ortsteil „Heiland“ deutet noch heute auf ihren Standpunkt hin.

Der „Heiland“

1598 wütete eine Hungersnot , deren Folge die Pest war und auch der 30-jährige Krieg zog nicht spurlos am kleinen Harzdorf vorüber, denn zweimal zogen Soldaten raubend und mordend durch das Dorf und Wallenstein und Tilly, berühmte Feldherren dieser Zeit, trafen sich im nahe gelegen Ellrich.

Sülzhayner Bürger beteiligten sich auch 1848, einem schicksalsträchtigen Jahr für Deutschland, an Volkserhebungen in der Umgebung.

Steinekohlebergbau…

…belebt in der Mitte des 19. Jhd. das kleine Bergdorf, aber schon bald verdrängt Kohle aus dem Ruhrgebiet die Einheimische. Armut und Not sind die Folge, die Einwohnerzahl sinkt und auch die letzten jüdischen Familien, die sich im Laufe der Jahrhunderte hier angesiedelt haben, gehen.

Nur noch die Bezeichnung „Judenfriedhof„ für einen Platz am Sackberg, zeugt noch von ihnen.

Der Beginn des 20 Jahrhunderts…

…bedeutet gleichzeitig das Ende der unfreiwilligen Isolation, denn Sülzhayns klimatische Vorzüge werden erstmals entdeckt.

Die günstige Lage umgeben von Bergen und ausgedehnten Wäldern und die günstige Sonneneinstrahlung sind wichtige Grundsteine für ein mildes Reizklima. Dies entdeckt auch Herr Stieber, der damalige Direktor der Norddeutschen Knappschafts-Pensionskasse, und erschließt das kleine Dorf für die heilklimatische Behandlung Lungenkranker.

Steierberg Sanatorium

Direktor Stieber erwirbt Land im Sülzhayner Wald, der Bau kann beginnen. Italienische Gastarbeiter werden angeworben, und nach 2 Jahren ist der Bau bereits abgeschlossen. Die Kosten belaufen sich am Ende auf 921.438 Goldmark. Als erster Chefarzt wird Doktor Emil Kremser auf den Steierberg geholt, nach ihm ist die heutige Hauptstraße benannt.

Die Heilanstalt am Steierberg erlangte bald darauf internationale Bekanntschaft, denn ein Modell wurde sowohl während der Weltausstellung in Paris 1901, als auch in St. Louis 1904 als „mustergültig und hervorragend“ mit Medaillen und Preisen ausgezeichnet.

Die Bedeutung als einziger heilklimatischer Luftkurort für leichte Lungenkranke im mitteldeutschen Raum sorgt für einen wirtschaftlichen Aufschwung und bis 1914 werden neun private Sanatorien in Sülzhayn entstehen.

Sülzhayn 1914

Die vielen Kurgäste mussten natürlich auch anderweitig versorgt werden, deshalb entstanden außerdem weitere kleine Kurheime, viele Familien vermieteten einzelne Zimmer, es gab Pensionen, Gaststätten, Fuhrunternehmen, Wäschereien und Handwerks- betriebe. Durch den regen Zuzug der Menschen aus allen Teilen Deutschlands wurden viele neue Traditionen eingeführt, in den 20er Jahren gründeten sich Schützen-, Turn-, Handwerker- und Bürgervereine. Bis heute haben sich davon der Schützenverein, die Folkloregruppe, der Männergesangsverein und seit 1928 eine aktive Fußballmannschaft erhalten.

Nach dem ersten Weltkrieg…

…gab es zahlreiche Erneuerungen, das Stromnetz wurde verlegt, ein Omnibusbetrieb eingeführt und viele Straßen erhielten erstmals eine Pflasterung. Auch kulturelle Angebote konnten die Kurgäste nun vermehrt besuchen, ab 1926 wurde das Kino eröffnet und ein neu entstandener Kurpark mit einer Freiluftbühne sorgte für regelmäßige Theater- und Konzertveranstaltungen.

In den Kriegsjahren 1939 bis 1945 wurde der Steierberg ein Lazarett für lungenkranke Soldaten. 1945 wurde außerdem eine besondere Station zur Seuchenbekämpfung eingerichtet, denn im letzten Kriegsjahr trat besonders Typhus vermehrt unter der stark geschwächten Bevölkerung auf. Viele ausgebombte Bürger und Flüchtlinge aus dem Osten kamen in diesem Jahr nach Sülzhayn und nach Kriegsende musste zuerst einmal die Notlage der Bevölkerung überwunden werden und aus dem KZ Lager-Dora und seinen Nebenlagern kamen die völlig entkräfteten und ausgelaugten Häftlinge in die Sanatorien.

Obwohl die Nachkriegsjahre…

…die Weltwirtschaftskrise und schließlich der zweite Weltkrieg nicht in voller Härte auf die Gemeinde einwirkten, war doch ein gewisser Stillstand zu verzeichnen. Seine Bestätigung als heilklimatischer Kurort wird durch die Landesregierung Thüringen 1950 bestätigt, aber die 50er Jahre bringen auch, bedingt durch die Teilung Deutschlands in BRD und DDR, große Veränderungen für den kleinen Ort. Zunehmende Verstaatlichung und viel zu geringe Erträge in der Landwirtschaft trieben die vielen ortsansässigen Sanatorien in den Ruin. Des Weiteren wird Sülzhayn Sperrzone, das bedeutet Besuche ortsansässiger Bürger sind nur noch mit einem Passierschein möglich und sogenannte „unliebsame“ Personen werden bei Nacht und Nebel Aktionen ausgewiesen. Die ehemalige Lebensader des Ortes, der Kurbetrieb, wird also aufgrund der komplizierten politischen Situation bedeutungslos. Die verblieben Heilanstalten kämpfen nun vor allem gegen die weit verbreitete Tuberkulose, die schließlich in den 60er Jahren weitestgehend besiegt wird. Nun müssen neue Betätigungsfelder gefunden werden, Sülzhayn wird schließlich ein Zentrum zur Rehabilitation Querschnittsgelähmter und Körperbehinderter, wofür zahlreiche Umbauten, Renovierungen und Umstrukturierungen notwendig waren. Doch der unmittelbare Grenzbereich hat auf die Entwicklung des Ortes einen immer größeren hemmenden Einfluss ausgeübt und vieles vom ursprünglichen, mondänen Glanz eines Kurortes ist verblichen.

Erst nach der Wende…

Ruine eines Sanatoriums

…kommt es erneut zu wichtigen Veränderungen, denn zahlreiche alte Eigentümer erhalten ihre enteigneten Einrichtungen zurück und wo dies nicht möglich ist, übernimmt die Landesregierung Thüringen die Grundstücke. Viele der ehemaligen Sanatorien sind heute leider in einem sehr baufälligen und desolaten Zustand, stehen leer und verwaist und prägen das Bild des Ortes. Gründe sind oftmals ungeklärte Eigentumsfragen und bauwirtschaftliche Probleme.

Rhododendron

Seit 1997 wird in Sülzhayn das Rhododendronfest im Kurpark gefeiert, das bereits viel Resonanz, sowohl bei einheimischem Publikum als auch bei Touristen hervorgerufen hat.

Auch der Männergesangsverein und die Folkloregruppe geben hin und wieder Konzerte im Ort. Sport ist nach wie vor ein wichtiger Bestandteil des Ortscharakters, die Turnhalle wird von der Volleyball- und der Fußballmannschaft gemeinsam genutzt und die Linedancegruppe trifft sich regelmäßig in „the Ark“.

Das Rehabilitationszentrum KMG und das Förderzentrum für benachteiligte Kinder bieten bis heute Eltern mit behinderten Kindern vielfältige Hilfe in der Pflege.

KMG

Die wunderschöne Lage im Tal, umgeben von einem vielfältigen Laubwald zieht noch immer viele Wanderer an. Besonders „die hohe Straße“ ist ein beliebter Spaziergang, sie gewährt einen herrlichen Blick in die Umgebung und die frühe Geschichte Sülzhayns, denn dort findet man ein altes Steinkreuz. Auf der Südseite des Kreuzes ist die Jahreszahl 1774 eingeritzt.

Das Steinkreuz

Sühnekreuze in ähnlicher Form findet man im Harz und seinem Vorland relativ häufig, fast immer kam an diesen Stellen jemand auf unnatürliche Weise ums Leben.

Der Volksmund erzählt, dass auf der Hohen Straße, an der das Kreuz steht, ein Mönch aus Walkenried erschlagen wurde. Die Walkenrieder Mönche verkauften die Produkte, die sie auf dem Klostergut herstellten, in der Umgebung. Dieser Mönch befand sich bereits auf dem Heimweg. Der Mord geschah an dem Glaubensbruder, da er den Erlös seiner Waren bei sich hatte.